Werkzeug für Bremsenarbeiten
Bremsarbeiten sind sicherheitsrelevant. Was technisch dazugehört und wo die Grenze zur Werkstatt verläuft.
Was benötigt wird
Für den Wechsel von Bremsflüssigkeit wird ein Entlüftungsgerät gebraucht, das den Kreislauf sauber durchspült. Alle Verschraubungen an Sattel und Halter werden mit Drehmoment angezogen, das Fahrzeug steht dabei auf Unterstellböcken.
Wichtige Einschränkung
Fahrzeuge mit elektrischer Feststellbremse benötigen ein Diagnosegerät, um den Bremssattel hinten in Montagestellung zu bringen. Ohne diese Funktion ist der Belagwechsel hinten nicht durchführbar. Bei Unsicherheit gehört die Bremsanlage in eine Werkstatt.
Wann Bremsflüssigkeit gewechselt wird
BMW schreibt den Wechsel in der Regel alle zwei Jahre unabhängig von der Laufleistung vor, weil Bremsflüssigkeit hygroskopisch ist und Wasser aus der Umgebungsluft aufnimmt. Ein Siedepunkttester zeigt den tatsächlichen Zustand: Bei DOT 4 gilt ein Nasssiedepunkt unter etwa 180 °C als Wechselgrund. Sinkt der Siedepunkt zu weit, kann sich bei starker Beanspruchung – langer Gefällefahrt, Anhängerbetrieb, Rennstrecke – Dampf in der Leitung bilden und das Pedal geht bis zum Anschlag durch.
Verschleiß richtig beurteilen
Beläge werden nicht nur nach Restdicke beurteilt, sondern auch nach Verschleißbild: einseitiger Abtrag deutet auf einen festgehenden Führungsbolzen oder einen klemmenden Kolben hin, riefige oder ungleichmäßig eingelaufene Scheiben auf Überhitzung. Die Scheibenmindestdicke ist auf dem Scheibentopf eingeprägt und wird mit einem Messschieber an mehreren Stellen kontrolliert. Bei elektronischen Verschleißsensoren muss der Sensor mit erneuert werden, sobald er durchgescheuert ist – der Belag lässt sich nicht zurücksetzen, solange der Stromkreis unterbrochen bleibt.
Rost, Standzeiten und Rubbeln
Fahrzeuge mit längeren Standzeiten setzen an den Scheiben Flugrost an, der sich nach wenigen Bremsungen wieder abträgt. Bleibt ein pulsierendes Pedal, liegt meist Dickenschwankung der Scheibe oder ein verzogener Radnabensitz vor. Vor der Montage neuer Scheiben wird der Nabensitz metallisch blank gebürstet, sonst entsteht ein Seitenschlag, der sich als Rubbeln beim Bremsen aus höherer Geschwindigkeit bemerkbar macht.
Nach der Montage
Neue Beläge brauchen eine Einfahrphase mit mehreren mittleren Bremsungen ohne Vollbremsung, damit sich ein gleichmäßiger Reibfilm bildet. Vor der ersten Fahrt wird das Pedal mehrfach gepumpt, bis Druckpunkt vorhanden ist. Radschrauben werden über Kreuz mit dem vorgeschriebenen Drehmoment angezogen – bei den meisten BMW-Modellen zwischen 120 und 140 Nm, verbindlich ist der Wert aus der Fahrzeugdokumentation.
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